Altäre in St. Thomä

. . . und Preis und Dank zu seinem Altar bringen !

Wer in unserer Kirche Neu-St. Thomä durch den Mittelgang des hohen gotischen Raumes in Richtung Chorraum geht, wird den Blick automatisch auf den granitnen Altar richten, der auf einem Podest direkt unter dem sogenannten Triumpfbogen steht. Dieser Altar hat seit der Wiederherstellung der Kirche (1966) hier seinen Platz. Geschaffen hat diesen ca. 6 Tonnen schweren Tisch, bestehend aus Oberplatte und Sockel, der Steinmetzmeister Bartsch, der auch die Steine, die die Säulen ummanteln, zurecht gehauen hat.

Bevor die Kirche nach der Zerstörung 1944/45 wieder ganz genutzt werden konnte, feierte die Gemeinde seit 1957 ihre Gottesdienste im Chorraum, der dafür vom Kirchenschiff mit einer Mauer abgetrennt worden war. Für den Chorraum ließ das Presbyterium, nach Entwürfen des Soester Künstlers Hugo Kükelhaus, einen Altar und eine Kanzel anfertigen. Diese beiden aus kräftigem Holz gestalteten formschönen Inventarstücke haben ihren Dienst bis zur Wiedereinweihung der Kirche getan und wurden danach an die neugebaute Lukaskirche in Lippstadt–Hörste abgegeben. Die Kükelhaus-Kanzel ist inzwischen wieder an die Thomä-Gemeinde zurückgegeben worden.

Bis zu den verheerenden Luftangriffen am Ende des 2. Weltkrieges standen in der Kirche Neu-St.Thomä zwei Altäre: Ein barocker Hochaltar aus dem Jahr 1668, der im Zuge des Unmzugs der Gemeinde aus der alten Thomä-Kirche (Schiefer Turm) Mitte des 19. Jahrhunderts in die Minoritenkirche überführt wurde und ein neugotischer Hochaltar aus den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts. Letzterer stand im hinteren Chorraum, was alte Bilder belegen. Von diesem Altar blieben nach der Kirchenzerstörung einige Figuren stark beschädigt erhalten. Diese sind in zwei Nischen des Chorraumes zu sehen: Mose, der Prophet Jesaja, Maria und Johannes die unter dem Kreuz standen und der Korpus Christi vom Kreuz.

Der Barockaltar, ein reich geschnitzter Aufsatz im Ohrmuschelstil mit drei Bildern, Abendmahlsdarstellung, Kreuzigung und Frauen am Grabe, der an der Südwand seinen Platz hatte, ist gänzlich verloren gegangen.

Natürlich hatte die Kirche, als sie noch als Klosterkirche genutzt wurde, eine Reihe von Altären. Diese waren in der Regel Stiftungen Soester Bürger. Im Inventarverzeichnis, das bei der Auflösung des Klosters erstellt wurde, werden genannt: der Hochaltar, ein Marienaltar, ein Kreuzigungsaltar, Franziskus- und Antoniusaltar. In den Jahrhunderten vorher waren manche Altäre auch ausgetauscht oder umbenannt worden. Der inventarisierte Hochaltar aus der Barockzeit, der eine Stifung des Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg war, wurde 1830 der Paulikirche überwiesen, von dieser 1950 leihweise an das Patroklimünster übergeben. Danach gelangte er durch Kauf an die evangelische Kirche in Cosefeld. Hier, in einer ehemaligen Jesuitenkirche, hat er noch heute seinen Platz. Figuren aus den anderen Altären stehen in der Pfarrkirche St. Martinus in Benninghausen.

Altäre in unseren Kirchen sind wichtige Orte. Vom Altar aus werden die Gottesdienste in der Regel eröffnet: Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes. Am Schluss des Gottesdienestes wird von hier aus der Gemeinde der Segen zugesprochen. Auf dem Altar liegt die Bibel, die Heilige Schrift, aufgeschlagen, zum Zeichen dafür, dass aus diesem Buch Gott die Gemeinde offen anredet. Da steht ein Kreuz, das die Versöhnung zwischen Gott und uns durch Jesus Christus anzeigt. Da stehen Kerzen, deren Licht unterschiedlich gedeutet werden kann. Sie können Gesetz und Evangelium, die Dreieinigkeit Gottes oder einfach das Licht Gottes für unsere Welt symbolisieren. Und da stehen oft auch Blumen, die uns durch ihren Schmuck die Schönheit der Schöpfung nahebringen.

Wenn die Gemeinde das Abendmahl feiert sind auf dem Altar Kanne und Kelch, die Hostiendose und die Patene (Teller) angerichtet. Schöne Schmuckstücke und Gebrauchsgeschirr zugleich. Und vom Altar aus werden Brot und Wein zu den Abendmahlsgästen gebracht.

In einer evangelischen Kirche ist der Altar kein heiliger Gegenstand und steht auch nicht auf heiligem Boden. Statt frontal vor der Gemeinde könnte er auch in der Mitte der Kirche stehen und für die Gottesdienst feiernde Gemeinde zum wirklichen Mittelpunkt werden. Aber entscheidend ist, dass auch in unserer St. Thomä Kirche die Gemeinde noch lange das Loblied Gottes singt und sich immer wieder sammelt am oder um den Altar.

Günther Wiede