Taufstein in St. Thomä

Soest St Thomae Kirche Taufstein 01Ich bin getauft auf deinen Namen . . .

Dieser Liedanfang eines Taufliedes aus unserem Evangelischen Gesangbuch fällt mir häufig ein, wenn ich die Thomä-Kirche betrete und mein Blick auf den Taufstein fällt, der im nördlichen Seitenschiff steht. Wie jeder Taufstein erinnert mich auch dieser an meine eigene Taufe und damit an die Zusage Gottes die jedem Getauften gilt: Du gehörst zu mir!

Der Taufstein stand nicht immer in unserer Kirche. Ursprünglich hatte er seinen Platz in Alt-St. Thomä, denn sie war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Gemeindekirche der Thomä-Gemeinde. Da die Kirche vom Verfall bedroht war kaufte die Gemeinde 1851 die ehemalige Minoritenkirche, die bis 1813 die Klosterkirche des Franziskaner-Ordens war. Der Umzug erfolgte mit allem Inventar. Dazu gehörte auch der Taufstein.

Von da an wurden die Täuflinge zwar in einer anderen Kirche, aber an dem alten Taufstein getauft. In der Minoritenkirche wird kein Taufstein gestanden haben, denn in der Inventarliste, die bei der Auflösung des Klosters aufgestellt wurde, ist keiner erwähnt.

Der aus Baumberger Sandstein gefertigte Taufstein stammt aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Die achteckige tiefe Kelchform entspricht der damals üblichen Taufpraxis, dass die Säuglinge bei der Taufe ganz untergetaucht wurden.

Im unteren Teil, dem Fuß, sind spitzbögige Nischen eingearbeitet in deren Konsolen früher Figuren gestanden haben. Diese müssen irgendwann verloren gegangen sein Sie fehlen auch schon auf älteren Bildern. Ein schön verästeltes Stabwerk füllt die Zwischenräume der (leider) leeren Konsolen aus.

In den oberen achteckigen Rand des Beckens sind an zwei gegenüberliegenden Seiten Reliefs eingearbeitet. Das eine stellt die Begegnung zwischen Jesus Christus und dem Apostel Thomas dar und nimmt damit Bezug auf den Kirchenpatron. Das zweite zeigt die beiden Apostel Matthäus und Andreas. Matthäus ist mit einem Beil und Andreas mit Kreuz und Beutelbuch abgebildet. Die Zwischenräume sind mit einem kunstvollen spätgotischen Maßwerk überzogen. Die Farbauflagen sind im Laufe der Zeit stark verblasst. Sie lassen aber doch noch etwas erkennen von der ursprünglichen auch farblichen Gestaltung des Taufsteins.

In der kelchförmigen Vertiefung des oberen Teils war ein zinnerner Kessel eingelassen. Dieser ist aber 1945 nach der Zerstörung der Kirche abhanden gekommen.

Soest St Thomae Kirche Taufstein 02Der Taufstein ist das einzige Kunstwerk, das die Bombenangriffe im zweiten Weltkrieg überstanden hat. Er wurde durch die herabgefallenen Gewölbeteile beschädigt. Der Steinbildhauer Alfons Düchting hat in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts die beschädigten Teile restauriert.

Statt eines tiefen Einsatzes ist der Taufstein mit einer kunstvoll gestalteten kupfernen Platte abgedeckt, in die eine Taufschale eingearbeitet ist. Die Platte trägt in erhabenen Lettern eine Inschrift, die dem Johannes-Evangelium entnommen ist. Es sind drei Verse aus dem 3. Kapitel. Hier wird von einem Gespräch berichtet, das Jesus in der Nacht mit einem Mann führt der zur Führungsschicht der Juden gehört. Er heißt Nikodemus. Jesus sagt zu ihm im Laufe des Gesprächs:

Wahrlich, wahrlich ich sage dir, es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Lass dich nicht wundern, dass ich gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden.

Mit diesen Versen wird Bezug genommen auf das Geschehen der Taufe. Wasser und Geist Gottes gehören dabei zusammen.

Es lässt sich bisher nicht feststellen, wer diese kunstvolle Taufsteinplatte gestaltet hat. (Vielleicht gibt es ein Gemeindeglied, das darüber etwas weiß!?)

Soest St Thomae Kirche Taufstein 03Ich freue mich darüber, dass wir diesen alten kunstvollen Taufstein in unserer Kirche haben und dass er die Jahrhunderte überdauert hat. So werden immer noch Kinder, Heranwachsende und manchmal auch Erwachsene an diesem Taufstein getauft und damit hineingestellt in die Gemeinschaft mit Gott und Jesus Christus und aufgenommen in die Gemeinde.

Günther Wiede